Gleich zu Beginn: Dieser Artikel ist nichts für schwache Nerven oder für jemand, der bei dem Wort Masturbation schon rot wird. Aber ganz ehrlich: Wir müssen mal darüber reden, denn auch dieses Thema fällt in den Bereich ‚Selbstfindung‘.

Ich habe lange recherchiert, was es denn zu dem Thema im Netz schon gibt. Gefunden habe ich entweder ‚Anleitungen‘, die rein physisch beschreiben wie Selbstbefriedigung funktioniert, vereinzelt Interviews mit Sexualtherapeuten und Artikel, bei denen nicht wirklich Tacheles geredet wurde. Ich hatte während meiner Recherche die ganze Zeit das Gefühl, dass keiner wirklich sagt was Sache ist.

Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass Frauen masturbieren müssen.

Sexleben: Als Single vs. in einer Beziehung

Wenn du lange in einer Beziehung warst, bist du es gewohnt, dass dein Partner genau weiß was dir beim Sex gefällt und was nicht. Das ändert sich, wenn du Single bist (und du über den Punkt hinweg bist, dass du niemals wieder mit jemand anders außer deinem Ex schlafen möchtest), denn dann ist es nicht ungewöhnlich, dass du wechselnde Sexpartner hast. Und da fängt das Dilemma der meisten Frauen an.

Ein typisches ‚Der-Sex-ist-nicht-gut-Gespräch‘

Eine Freundin: „Simone, ich weiß auch nicht, der Sex mit ihm ist einfach nur mittelmäßig. Er weiß einfach nicht wie er mich zum Orgasmus bringt.“

Ich: „Hast du ihm denn mal gesagt wie er dich am besten zum Höhepunkt bringt?“

Eine Freundin: „Wie? Das muss er doch wissen.“

FALSCH. 

So wie der männliche Körper auf verschiedene Stimulationen unterschiedlich reagiert, genauso ist das auch beim weiblichen Körper. Logisch. Woher soll dein (Sex)Partner denn bitte wissen, was genau dir gefällt und wie er dich am besten zum Höhepunkt bringen kann?

Wir Frauen sind diesbezüglich sehr verwöhnt, weil es in den meisten Fällen sehr viel einfacher ist einen Mann zum Orgasmus zu bringen – obwohl auch hier das Wie einen großen Unterschied macht, aber das ist ein anderes Thema.

Männer kommen einfacher als Frauen, also sag was du willst 

Sicher funktioniert es häufig, dass er dich ‚intuitiv‘ zum Orgasmus bringt, aber oft eben auch nicht. Das kannst du recht einfach ändern: Mancher Mann braucht nur ein, zwei liebevolle Sätze, in denen du ihm sagst, was dir gefällt.

Klar, da kommt natürlich der Fakt dazu, dass du etwas sagen musst. Das fällt vielen Frauen aufgrund von falschem Schamgefühl schwer. Trau dich! Mir ist das beim ersten Mal auch unfassbar schwer gefallen.

Aber nicht nur, dass du mehr davon hast, nein, du wirst auch den Mann glücklich machen, denn jetzt weiß er wie du es dir wünschst und kann dich zum Orgasmus bringen. Und das ist – abgesehen von ein paar egoistischen Vollpfosten – genau das was sie wollen. Sie wollen in der Lage sein, dich zu befriedigen.

Ein weiterer positiver Aspekt: Wenn du deine Wünsche artikulieren kannst, macht dich das unglaublich sexy für den Mann. Du strahlst damit Selbstbewusstsein aus und zeigst ihm, dass du sehr genau weißt, was du willst.

Und übrigens: Dadurch hast du zu 95% ein weiteres Wiedersehen in der Hand, denn er wird dich sehr wahrscheinlich wiedersehen wollen. Männer lieben selbstbewusste Frauen, vor allem beim Sex!

Versuch dich in den Mann hineinzuversetzen

Stell dir mal vor, du bist ein Mann: Du triffst eine Frau, die du so attraktiv, sexy und sympathisch findest, dass du mit ihr schlafen möchtest. Das Ganze beruht auf Gegenseitigkeit und ihr landet im Bett.

Alles was ein Mann sich wünscht, ist dass du den Sex genießt! Spaß dabei hast, und es als Bereicherung empfindest! Wie ich schon erwähnt habe, er will dich befriedigen. Das befriedigt ihn (und sein männliches Ego).

Szenario 1: Ihr habt Sex und deine Gedanken drehen sich um „was macht er da?“, „wann kommt er endlich?“ und „hab ich das Licht im Keller ausgemacht?“, während er sich abmüht und denkt „man, ist die steif“, „kann die mal was sagen?“ oder „ach, kein Bock mehr, ich komm jetzt einfach“.

Schlimmer kann dieses Szenario nur noch werden, wenn er fragt was dir gefällt und du entweder nichts sagst oder gar nicht weißt, was du sagen sollst.

Szenario 2: Er ist schon auf einem guten Weg, du lässt ihn spüren, dass du dich wohlfühlst und dass du den Sex mit ihm genießt. Weil du aber gerne möchtest, dass er sich mehr zwischen deinen Beinen aufhält, flüsterst du ihm ein „Ich will deine Zunge spüren“ zu. Was glaubst du was passiert? Richtig, du bekommst was du willst und er weiß, was dir gefällt.

Bei der Vorstellung von Szenario 1, tun mir die Männer schon fast ein bisschen leid, muss ich zugeben. Zu viele Frauen setzen voraus, dass er wissen muss, wie’s geht und was gefällt. Und das stimmt einfach nicht (was aber trotzdem heißt, dass ein gewisses Einfühlungsvermögen und Erfahrung seinerseits erforderlich sind, aber das sind zwei Paar Stiefel!).

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass Szenario 2 sowieso auch für dich das wesentlich erstrebenswertere ist.

Deine Wünsche auszusprechen, ist nicht einfach, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber du kannst es üben. Versuch’s einfach mal, du wirst sehen, dass du dann noch mehr Gefallen am Sex finden wirst. Und darum geht’s!

Sex soll Spaß machen, euch beiden! Ihr verbringt die Zeit zusammen, um sie zu genießen. Also mach‘ das, und lass dich nicht von „Oh-Gott-was-denkt-er-dann-von-mir-Gedanken“ davon abhalten. Er wird es lieben, glaub mir.

Voraussetzung ist natürlich, dass du deinen Körper kennst

Glaubt man dem Internet, befriedigen sich mehr als 80 Prozent der Frauen selbst. Sprich, man könnte davon ausgehen, dass sie ihren Körper kennen. Aus vielen Gesprächen mit Männern, habe ich den Anschein, dass das nicht der Fall ist.

Die Aussage ist natürlich nicht wissenschaftlich belegt, aber ich höre oft, dass Frauen sich selbst ihm Weg stehen, weil sie ihren Körper nicht gut genug kennen oder nicht in der Lage sind ihre Wünsche auszusprechen.

Sicher, das sind keine Fragen, die du im Kommentarfeld beantworten sollst, aber durchaus welche, die du dir stellen solltest:

  • Kennst du deinen Körper?
  • Kennst du deine erogenen Zonen?
  • Weißt du wie du sie am besten stimulierst (…streicheln, küssen, lecken)?
  • Weißt du wie du dich am besten zum Höhepunkt bringst?
  • Wie ist dein Orgasmus am intensivsten? Beim Sex? Oralverkehr? Handjob? Mit Hilfsmitteln?

Darf ich masturbieren? Nein, du solltest sogar!

Ich würde, wie eingangs gesagt, sogar so weit gehen und sagen, Frauen müssen masturbieren! Denn nicht nur, dass du dann all diese Fragen sehr schnell beantworten kannst und deinem (Sex)Partner auch selbstbewusst sagen kannst, was du brauchst.

Durch regelmäßige Selbstbefriedigung lernst du deinen Körper kennen und entwickelst eine positive Einstellung zu ihm, du entspannst und das sorgt für eine Menge Selbstbewusstsein (denn du wirst dir und den Dingen, die dir gefallen, selbst bewusst).

Nicht zuletzt werden beim Orgasmus Endorphine ausgeschüttet. Hormone, die dich glücklich machen und dich entspannen. Kann ganz nützlich sein, sie durch seinen Körper schießen zu lassen, wenn du einen stressigen Tag oder eine anstrengende Situation vor dir hast ;-)

Wenn du noch weitere Gründe brauchst warum Masturbation gesund ist: Selbstbefriedigung…  

    • … beugt Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen vor.
    • …stärkt deine Beckenbodenmuskulatur, was wiederum zu intensiveren Orgasmen beim Sex führt.
    • …hilft bei Bluthochdruck.
    • …kann das Risiko von Diabetes Typ II mindern.
    • …vermindert durch die Ausschüttung von Hormonen und der körperlichen Entspannung Schlafstörungen.
    • führt im Idealfall zum Orgasmus, und der hilft gegen Stress, Kopfschmerzen und Regelprobleme.

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Foto: © kirillica 

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