„Ich liebe dich, aber ich bin beziehungsunfähig“ – ein Satz, der in den vergangenen Jahren nicht nur häufiger, sondern überhaupt ausgesprochen wird. In der Generation unserer Großeltern: ein schieres Drama so zu denken, geschweige es auszusprechen. Über Bindungsangst und andere Beziehungsprobleme wurde kaum gesprochen, und schon gar nicht in der Öffentlichkeit.

In unserer heutigen Gesellschaft gehört Beziehungsunfähigkeit scheinbar zum Alltag. Immer mehr von uns beklagen, dass sie nicht in der Lage sind eine Beziehung zu führen und mit einem anderen Menschen wirklich glücklich zu werden. Dahinter steckt entweder eine Ausrede, um Kompromissen aus dem Weg gehen zu können oder Bindungsangst.

In diesem Artikel möchte ich mit dir besprechen, was Bindungsangst ist, woher sie kommt, woran du sie erkennst und was du dagegen tun kannst. Ich möchte dir helfen herauszufinden, ob du wirklich beziehungsunfähig bist oder ob etwas anderes dahintersteckt.

Was ist Bindungsangst?

Bindungsangst ist die Angst vor Nähe und Beziehungen. Treten die ersten Problemchen in unserer Beziehung auf, neigen viele von uns dazu unsere Kompromisslosigkeit mit Beziehungsunfähigkeit zu entschuldigen. Wer allerdings tatsächlich beziehungsunfähig ist, leidet unter Bindungsangst und sollte diese tatsächlich psychische Störung von einem Therapeuten behandeln lassen.

Woher kommt Bindungsangst?

Die Gefühle, die Menschen erleben, die Angst davor haben eine Beziehung einzugehen, rühren aus der Kindheit. Oftmals haben Eltern ihre Liebe an Erwartungen geknüpft und Betroffenen somit das Gefühl gegeben, sie seien nur dann liebenswert, wenn sie eine gewisse Leistung erbringen. Sprich, sie bekamen bereits von klein auf das Gefühl vermittelt, dass sie als Person an sich nicht geliebt werden können.



Diese Menschen glauben, dass sie nicht ‚einfach nur‘ ihretwegen geliebt werden können, sondern leiden permanent unter der Angst, die Erwartungen ihres Partners nicht erfüllen zu können oder auf lange Sicht aufgrund dieser empfundenen Unzulänglichkeit sowieso wieder verlassen zu werden. Dieser emotionale Leidensdruck erzeugt Bindungsangst und damit Beziehungsunfähigkeit.

Macht uns nur die Bindungsangst beziehungsunfähig?

Aber nicht nur Bindungsangst macht es uns schwer uns ernsthaft auf eine Beziehung einzulassen, auch FOMO (fear of missing out, zu Deutsch: die Angst etwas zu verpassen) spielt hier eine große Rolle. Kommt noch etwas Besseres? Erfüllt ein anderer mehr von meinen Erwartungen?

Wenn du meinen Blog schon länger liest, dann weißt du, dass ich ein Fan von Online Dating bin. Ich finde es eine super Ergänzung zu unserem alltäglichen Datingleben. Aber ich muss auch zugeben: Dating Apps machen es uns nicht leichter, eine dauerhafte und ernsthafte Beziehung einzugehen.

Immerhin könnte der nächste Swipe auch der richtige Typ sein, der Mann oder die Frau fürs Leben. Vor allem in der oftmals titulierten Generation Y, zu der ich auch gehöre, scheint das ein großes Problem zu sein. Wir haben scheinbar unendliche Möglichkeiten und sind ständig mit anderen Entscheidungen konfrontiert – in jeder Lebenslage: Ausbildung, Job, Familie und auch bei der Partnerwahl.

In einem Zeitalter, in dem wir unseren potentiellen Partner online betrachten können als würden wir ein Buch bei Amazon bestellen, erfordert es noch mehr Verbindlichkeit als je zuvor, denn an jeder ‚Dating App Ecke‘ lauert das nächste potentielle Abenteuer.

Welche Erwartungen hast du an deinen Partner?

Du wirst keine Beziehung führen können, wenn du nicht bereit bist Kompromisse einzugehen. Wenn du eine Beziehung eingehen möchtest, die dauerhaft und ernsthaft sein soll, dann musst du aus meiner Sicht zwei Fragen für dich beantworten:

  1. Welche Erwartungen habe ich an meinen Partner?
  2. Wo kann ich Kompromisse eingehen und wo auf keinen Fall?

Wenn du diese beiden Fragen klar für dich beantwortest, dann hast du einen guten Grundstein gelegt. Denn häufig wissen wir nicht was wir brauchen und fragen uns dann warum wir unzufrieden sind in unserer Beziehung.

Was sind Anzeichen für Bindungsangst?

Wenn du das Gefühl hast, dass du dich nicht vor einer Beziehung versteckst, weil du nicht kompromissfähig bist oder an FOMO leidest, dann schau, ob das auf dich zutrifft und ziehe gegebenenfalls einen Therapeuten zu Rate:

  • Du fürchtest dich vor gemeinsamen Zukunftsplanungen mit deinem Partner.
  • Du hast Angst dich festzulegen.
  • Du schläfst mit überdurchschnittlich vielen Menschen.
  • Du hast eher lose Freundschaften als einen engen Freundeskreis.
  • Du glaubst, dass die Beziehung sowieso zu Ende geht und nicht dauerhaft ist.
  • Du hast ein überdurchschnittlich hohes Sicherheitsbedürfnis.
  • Du sprichst nicht aus was du fühlst und bewahrst Abstand zu Menschen.
  • Du hast übersteigerte Erwartungen an deinen Partner.

Was tun, wenn du in jemand verliebt bist, der Bindungsangst hat?

Nun, ich rate dir zu einem offenen Gespräch: Wenn er bzw. sie unter Bindungsangst leidet und eure Beziehung daher nicht funktioniert, solltest du Hilfe anbieten. Einen Termin beim Therapeuten oder Psychologen ist bei Menschen, die unter dieser emotionalen Störung leiden, unumgänglich. Wenn dein Partner dafür nicht offen ist, bleibt dir nur zu lernen damit umzugehen oder die entsprechenden Schlüsse zu ziehen und ohne diesen Partner weiterzuleben. Keine einfache Entscheidung, ich weiß, aber auf lange Sicht wirst du wahrscheinlich nicht glücklich werden, wenn dein Gegenüber nichts an der Situation verändern will.

Wenn du nicht an Bindungsangst leidest…

…solltest du dir Gedanken über deine Erwartungen an deinen Partner machen. Und auch darüber was du bereit bist anzupassen und Kompromisse einzugehen. Genauso wenig wie du mit einem anderen Menschen zu 100 Prozent leben kannst, kann das jemand mit dir. Eine Beziehung ohne Kompromisse gibt es nicht. Die müssen nicht groß sein und mit Sicherheit nicht so, dass du nicht mehr du selbst sein kannst, aber kleine Veränderungen gegenüber unseres Singlelebens müssen wir annehmen, wenn wir eine harmonische, dauerhafte Beziehung führen möchten.

Bindungsangst und Beziehungsunfähigkeit sind sehr komplexe Themen, die ich nicht in einem Artikel abhandeln kann (wie eigentlich fast jedes Thema auf meinem Blog). Wenn du mehr zu diesen Themen erfahren möchtest, dann findest du drei weitere, sehr lesenswerte Artikel hier, hier und hier.

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Foto: © smithore

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