Jeder von uns hat Ängste. Manche davon sind offensichtlich, andere wiederum nicht. Und gerade diese Ängste, die uns gar nicht so richtig bewusst sind, sind die trickreichsten. Sie haben einen erheblichen Einfluss. Sie leiten unsere Entscheidungen, unser Handeln –

ohne dass wir es bemerken. Und erst wenn wir genauer hinschauen, fällt es uns wie Schuppen von den Augen. So war es auf jeden Fall bei mir, als ich vor einiger Zeit eine meiner größten Ängste entdeckte: Die Angst vor dem Alleinsein. Eine Angst, die mich über Jahre begleitete – vor allem in meinen Beziehungen und meinen Liebeskummerphasen. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Alleinsein-Angst? Dieser Frage will ich heute mit dir auf den Grund gehen. Fangen wir gleich an – mit einem kleinen Test:

Alleinsein.

Ein Wort, das bei vielen Menschen ganz unterschiedliche Reaktionen und Emotionen auslöst. Probier`s mal selber aus: Was fühlst du, wenn du dieses Wort immer und immer wieder in deinem Kopf sagst? Alleinsein. Ich muss ganz ehrlich gestehen, selbst heute noch fühle ich einen kleinen Funken Widerstand in mir, wenn ich dieses Wort wahrnehme. Aber Gott sei Dank ist er nicht mehr so stark wie früher. Alleinsein war ein Wort, bei dem sich damals mein Magen zusammenkrampfte. Gleichzeitig fühlte ich wie in mir eine Beklommenheit hochstieg, die ich ganz und gar nicht gut fand. Alleinsein, das wollte ich auf keinen Fall! Wie sieht es bei dir aus? Fühle und höre genau in dich hinein. Spürst du einen Widerstand in deinem Körper? Verbindest du dieses Wort mit negativen Gefühlen?

Ein Leben ohne Beziehung – undenkbar!

So dachte ich vor einigen Jahren. Eine Beziehung gehörte für mich dazu. Es fiel mir so schwer, Zeit nur mit mir zu verbringen. Singlephasen – wie habe ich die gehasst. Da war immer ein Gefühl von ICH-BIN-EINFACH-NICHT-VOLLSTÄNDIG. Na klar, hab ich nach dem Motto gelebt: ICH-GENIESSE-JETZT-MEIN-SINGLEDASEIN. Aber aus dem tiefsten Herzen kamen diese Worte nie. Und die Nichts-los-Wochenenden, wie schrecklich waren die denn bitte! Keine Verabredung, keine Party, Freunde alle ausgebucht – an diesen Tagen bin ich gar nicht klargekommen. Ich bin fast verrückt geworden. Diese Gefühle, die immer wieder aufploppten, die wollte ich nicht. Zum Singledasein war ich einfach nicht gemacht. Das stand fest. Ich hatte Angst – das wollte ich mir damals nicht eingestehen. Ich hatte Angst für immer alleine zu sein. Man möge meinen diese Angst wurde urplötzlich verschwinden, wenn man in einer festen Beziehung ist. Doch Pustekuchen, heute weiß ich:

Wenn du dich nicht intensiv mit deinen Ängsten auseinandersetzt, gewinnen sie mehr und mehr die Oberhand über dich – ohne dass du es merkst! Und sie lassen dich wahnwitzige Dinge tun, über die du später nur den Kopf schütteln kannst.



6 Dinge, die du in einer Beziehung tust, wenn die Alleinsein-Angst in dir steckt

  1. Dir fällt es schwer, wenn dein Partner mit Freunden alleine etwas unternimmt.
  2. Kleine Dinge reichen aus – wie ein kurzes Gespräch mit einer anderen Frau – und die Eifersucht kommt in dir hoch.
  3. Du erwischst dich immer wieder dabei, dass du deinen Partner kontrollierst – in sein Handy guckst, Nachrichten bei Facebook anschaust, etc.
  4. Du gibst dich selber auf – deine Freunde, deine Hobbies, deine Interessen, deine Leidenschaften. Du richtest dein ganzes Leben nach deinem Partner aus.
  5. Du verzeihst ihm immer wieder, obwohl er dich überhaupt nicht mehr mit Respekt und Liebe behandelt.
  6. Du fühlst, dass du ihn nicht mehr liebst, es fällt dir aber unwahrscheinlich schwer dich zu trennen. Und du schiebst die Trennung Jahr für Jahr vor dir her.

Du fühlst, dass irgendwas nicht stimmt. Aber du weißt nicht genau was. Du willst etwas ändern – das nimmst du dir immer wieder fest vor. Aber du weißt einfach nicht wie. Die alten Verhaltensmuster sind einfach zu stark, sie ploppen immer wieder auf. Und das kann Folgen haben: Du hälst zum Beispiel an einer Beziehung fest, die einfach nicht gesund für dich ist. Oder du verbringst dein Leben mit einem Partner, den du eigentlich nicht mehr liebst. Oder es passiert genau das, was du nie wolltest: Deine unbewussten Verhaltensmuster belasten die Beziehung so sehr, dass sie zerbricht. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt: Dem Liebeskummer.

Liebeskummer: Wenn die Angst plötzlich zur Realität wird 

Für Menschen, in denen die Angst vor dem Alleinsein schlummert, gibt es nichts Schlimmeres als Liebeskummer. Was ja eigentlich ganz logisch ist. Denn Liebeskummer ist der Moment, in der die Angst wahr geworden ist. Doch in den meisten Fällen ist einem das gar nicht so richtig bewusst. So wie bei mir. Ich habe insgesamt drei lange und schmerzhafte Liebeskummerepisoden gebraucht, um zu verstehen, warum ich diese Zeit so viel intensiver erlebte als meine Freunde. Warum es mir damals so schwer fiel die Trennung zu akzeptieren. Ich immer wieder den Kontakt zu meinem Ex suchte – mit Briefen, Anrufen oder spontanen Besuchen. Ich mehrmals unter Tränen aufgelöst bettelte mir noch eine Chance zu geben. Mich erniedrigte, mich betrank, mich in Hoffnungen verlor. Ich mich bei all meinen Handlungen irgendwie ferngesteuert fühlte. Dinge tat ohne nachzudenken. Mich krampfhaft an etwas festhielt, was es längst nicht mehr gab, was ich auch längst nicht mehr liebte.

Ich wollte einfach nicht alleine sein. Alle Dinge, die ich tat und dachte, hatten nur einen Ursprung: Meine Angst vor dem Alleinsein. Und weil ich mir dieser nicht bewusst war, übernahm sie die Kontrolle über mein Handeln, meine Gedanken, meine Gefühle. Wie sieht es bei dir aus? Lass deinen Liebeskummer doch mal revue passieren. Oder vielleicht steckst du ja gerade mittendrin. Welche Dinge hast du getan oder planst zu tun, einzig und allein, weil du Angst vor dem Alleinsein hattest oder gerade hast?

Du bist dir nicht sicher, ob die Allsein-Angst in dir schlummert? 

Dann beobachte und hinterfrage deine Handlungen. Immer wenn du das Gefühl hast, dass irgendetwas nicht stimmt. Du spürst, dass du in alte Verhaltensmuster verfällst – sei es nun in einer Beziehung oder während einer Liebeskummerphase. Versuche den Ursprung zu finden. Und der liegt meistens bei dir. Frage dich:

  • Warum reagiere ich gerade in diesem Moment so?
  • Was genau steckt dahinter? Was verspreche ich mir davon?
  • Was versuche ich durch mein Verhalten zu verhindern oder zu erreichen?
  • Könnte eine Angst hinter meinem Verhalten stecken? Und wenn ja, welche genau?

Oder mach es so wie ich: Ich hatte irgendwann keine Lust mehr darauf, dass all meine Beziehungen und Liebeskummerphasen nach dem selben bescheidenen Muster verliefen. Ich fühlte, dass irgendwas nicht stimmte. Ich ärgerte mich jedesmal über mich selber. Warum war ich so oft eifersüchtig? Warum klammerte ich mich immer so an meine Partner? Warum fühlte sich jeder Liebeskummer wie ein Weltuntergang an? Ich wollte das nicht mehr. Ich wollte etwas ändern. Für die nächsten Beziehung, den nächsten Liebeskummer gewappnet sein.

Und so begann ich alles Alte revue passieren zu lassen. Ich schrieb alles auf. Dinge, die mir in meinen Beziehungen und Liebeskummerphasen nicht gefielen. Situationen, in denen ich das Gefühl hatte, dass ich mich da irgendwie nicht richtig verhalten hatte. Handlungen, bei denen ich einfach nicht mehr weiß, warum ich sie tat und die mir heute so unheimlich peinlich sind. Und ich versuchte mich auch eine meine Gefühle von damals zu erinnern. Was löste welches Gefühl in mir aus? Wie ging ich mit diesen Gefühlen um? Ich hielt alles fest. Und dann ging ich der Sache auf den Grund. Ich hinterfragte alles. Dabei stand eins für mich fest. Der Ursprung des Ganzen musste tief in mir sein. Und so entdeckte ich sie: Meine Angst vor dem Alleinsein.

Verdränge deine Ängste nicht – arbeite mit ihnen 

Egal welche Angst du in dir entdeckst. Verdränge sie nicht. Kämpfe nicht gegen sie an. Je mehr du gegen etwas ankämpfst, desto stärker wird es. Deine Beobachtungen, die deine Angst enthüllt haben, beweisen es dir. Schon seit langem kämpfst du gegen deine Angst an – auch wenn es dir nie so richtig bewusst wahr. Ist sie dadurch weniger geworden?

Bei mir auf jeden Fall nicht. Und deshalb habe ich mich für einen anderen Weg entschieden. Ein Weg, der sanfter und auch intensiver ist. Ein Weg, mit dem ich meine Angst Stück für Stück die Kraft nahm. Wenn du Lust hast, probiere ihn doch einmal aus. Er besteht aus 2 einfachen Punkten:

Punkt 1: Nimm deine Angst bewusst wahr – that`s it

Hört sich einfach an. Ist es in der Regel auch. Je öfter du es trainierst, desto einfacher wird es. Es funktioniert folgendermaßen: Jedesmal wenn du das Gefühl hast, dass hinter dem was du gerade tust, denkst oder fühlst, deine Alleinsein-Angst stecken könnte, halte inne und hinterfrage es. Reagiere nicht direkt darauf, halte einfach nur inne und frage dich: Kann es sein, dass hinter allem dem gerade meine Alleinsein-Angst steckt? Und wenn dem so ist, dann verurteile deine Angst nicht. Schmunzel darüber oder sage zu dir selbst: Aha, da ist sie wieder meine Angst. Was fange ich jetzt mit ihr an? Lass ich mich von ihr leiten oder nicht?

Punkt 2: Stell dich deiner Angst – und schau was passiert

In den meisten Fällen stellen wir uns unsere Ängste schrecklicher vor als sie in Realität wirklich sind. Ich habe mich vor einigen Jahren bewusst dafür entschieden eine Weile ohne Partner zu leben. Nicht von einer Beziehung in die nächste zu springen. Ich wollte spüren wie sich meine Angst anfühlt, wenn sie zur Wahrheit wird. Und ich muss sagen: Ich bin überrascht. Heute genieße ich das Alleinsein sogar richtig – und das aus tiefstem Herzen. Natürlich entdecke ich hin wieder wie die Angst mich packt und ich denke: “Weißt du eigentlich wie alt du jetzt bist? Du solltest dich ranhalten!” Aber dann wende ich die Schmunzel-Stratgie an und lasse den Gedanken ganz einfach los.

Überleg doch mal, ob du nicht einige Dates nur mit dir alleine in deinen Alltag einbauen kannst. Oder ein ganzes Wochenende nur mit dir verbringst. Spüre wie sich die Angst anfühlt. Na klar wird es am Anfang schwer sein, doch wenn du dich auf dieses Experiment einlässt, wird sich deine Angst vielleicht eines Tages in Luft auslösen.

So jetzt ist es aber auch genug mit der Theorie und meinen ausgiebigen Selbsterfahrungsberichterzählungen. Ich hoffe, sie bringen dich weiter. Jetzt ist es an der Zeit dich selber auszuprobieren, dein Innerstes zu entdecken, deine Ängste zu entlarven. Trau dich!

Dies ist ein Gastbeitrag von:

Stephanie Wittenberg sagt JA zum Liebeskummer. Hört sich komisch an, ist aber so. Auf ihrem Blog LIEBESKUMMER AND SO WHAT?! dreht sich alles um das Phänomen Herzschmerz.Gerne plaudert sie dabei auch über ihre eigenen OH-MEIN-GOTT-WAS-TUE-ICH-DA-EIGENTLICH-GERADE-SPÄTER-WERDE-ICH-NUR-DEN-KOPF-DARÜBER-SCHÜTTELN-ODER-MICH-DRÜBER-TOT-LACHEN-LIEBESKUMMER-ERFAHRUNGEN. Dabei hat sie den ein oder anderen Liebeskummer-Rauslass-Tipp parat, wie z.B. den kostenlosen 10 Tage-Liebeskummer-Meditationskurs. Und wenn sich bei der Bloggerin mal nichts ums Herz dreht, dann finden wir sie auf Abenteurreisen oder ganz einfach im Bett – denn ohne Ausschlafen läuft nichts bei ihr.

Foto: © dedivan1923

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